Überführungsfahrt

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Balu muß ja irgendwie zu uns

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Die Strecke:
Von dem jetzigen Liegeplatz in Mehlbergen an der Weser geht es zunächst rund 60 km Stromauf bis nach Minden, wo es via Mittellandkanal, Dortmund-Ems-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal, geändert auf Rhein-Herne-Kanal, Rhein, Maas-Waal-Kanal zu unserem Hafen Linden an der Maas geht.

Zusammen rund 360 km mit 12 Schleusen.

 


 

Fragen, die vorab geklärt werden müssen:

– Wo sind Tankstellen (Bunkerstationen)

[hat sich geklärt, Schiff wird am Ausgangshafen betankt, was für die ges. Strecke reicht]

 

– Wo sind geeignete und reizvolle Übernachtungsplätze

 

– Einkaufsmöglichkeiten zur Auffrischung der Bordvorräte

 

– …

 

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Überführungsstrecke geändert!
Kollegen vom www.Binnenschifferforum.de gaben mir die entscheidenden Hinweise
1.) „Unsere“ Schleusen an der Weser haben am 01. Mai „Doppelrot“, sprich geschlossen

2.) Da einige Schleusen auf dem Wesel-Datteln-Kanal am Wochenende nur mit einer Kammer arbeiten, ist der Weg über den Rhein-Herne-Kanal jetzt „en vogue“.

Also ist nun folgendes geplant:

29.04. Technische Übernahme, 600 Liter Diesel bunkern, Probefahrt. Nachmittags die Weser zu Berg bis…

30.04. Früh weiter. Am Nachmittag Feierabendplätzchen auf dem Mittellandkanal suchen.

01.05. (Maifeiertag). Ausschlafen und gemütlich weiter bis Ecke Münster; Crewwechsel. Ich bleibe, drei gehen, einer kommt.

02.05. Ausschlafen; via Dortmund-Ems-Kanal bis Henrichenburg (Besichtigung Schleuse). Feierabendbierchen.

03.05. Ausschlafen; via Rhein-Herne-Kanal bis zur Marina CentrO Oberhausen. Crewwechsel, abends ins CentrO (Kino, Spanier, Irish Pub…)

04.05. Sehr gut ausschlafen; Rest Rhein-Herne-Kanal bis Duisburg; Rhein zu Tal bis Marina Wesel. Lecker Schnitzelessen WeselerYC.

05.05. Ausschlafen; Rhein zu Tal bis Nijmegen; via Maas-Waal-Kanal zur Maas nach Linden bei Cuijk. Ziel erreicht.

 

 

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Zusammen mit den Verkäufern

 

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Und so war es dann wirklich:

 

29.04.2013

Wetter: sonnig, leichte Bewölkung bis 15 Grad. Schwacher Ostwind.

„Reise, Reise aufstehen“. Um 07.16 Uhr steige ich in Rheinberg in den Zug nach Duisburg. Dort sprinte ich zum Gleis 12, wo es mit dem IC nach Hannover geht. Wie so oft fährt der Zug eine Verspätung ein, die ich beim Umstieg in Hannover aber nicht behindert. Glück gehabt. Um 11:15 Uhr werde ich in Nienburg an der Weser vom ehemaligen Eigentümer abgeholt und zum Liegeplatz nach Mehlbergen gebracht. Die ehemaligen Eigner hatten wir bereits bei der ersten Besichtigung ins Herz geschlossen. Sehr liebe Menschen! Schnell noch zum Supermarkt die nötigsten Dinge des täglichen Leben einkaufen, schließlich war die Überführung mit 5 Tagen angesetzt.

Nun ging es in die Technik. Kopfüber in der Maschine und ohne Pause wurde mir alles gezeigt. Ob ich auch alles behalten habe wir sich zeigen. Punkt 14 Uhr stand der LKW mit Diesel am Steg und befüllte „Balu“ mit 478 Litern Diesel. So war der Bunker mit knapp 600 Litern voll und wir brauchten unterwegs nicht mehr an dieses Thema denken. Harken dran, eine Sorge weniger!

Abends um 20 Uhr war dann die restliche Crew da: Anke, Gerrit, Ewald und Gerhard.  Gerhard hat die drei mit dem Auto hochgebracht und wird uns die nächsten zwei Tage landseitig begleiten. Am 01. Mai wird dann Anke, Gerrit und Ewald mit dem Auto nach Hause fahren und ich fahre mit Gerhard alleine weiter. Am Freitag, den 03.05. wird dann ich Oberhausen wieder gewechselt. Alles soweit verstanden? Gut dann geht’s weiter…

Nachdem das Gepäck verstaut wurde haben wir noch ein Fläschchen Sekt geköpft und mit den ehemaligen Eignern Abschied gefeiert. Schließlich war „Balu“ 22 Jahre lang ihr Zuhause!

 


 

30.04.2013

Wetter: sonnig, leichte Bewölkung bis 16 Grad. Schwacher Ostwind.

Um 05:54 Uhr läuft die Maschine und wir legen ab. Die Weser zu Berg im Frühdunst. Kormorane, Enten, Fischreier sind die Begleiter. Von Kilometer zu Kilometer gewinnen wir Vertrauen in die Technik. Es läuft!

An der Schauchschleuse Landesberegen ist um 07:58 Uhr erstmal Schluß. Wartungsarbeiten am Schleusentor! Na toll! Um 09:25 Uhr geht es dann weiter und wir hangeln uns von Schleuse zu Schleuse, denn wir müssen die Schauchschleuse Minden auf jeden Fall packen, denn die Schleusen sind hier an der Weser am 01. Mai geschlossen!

So erreichen wir um 15:30 Uhr die Schachtschleuse Minden und das Zittern beginnt. Aber das Glück ist mit uns und bereits um 16:25 Uhr können wir mit einem Fahrgastschiff in die Schleuse einfahren, die uns um 17:00 Uhr in den Mittellandkanal hebt. Super! Ab hier für die nächsten rund 100 km keine Schleusen mehr.

Um 17:30 Uhr machen wir im kleinen Yachthafen Minden bei km 97 fest. Für die Nacht zahlen wir inkl. Strom und Duschmarken 21,-€. Der Wirt und Hafenmeister ist sehr nett und eine „Berliner Schnautze“. Bier zapfen und kochen kann er auch. Unmißverständlich macht er uns klar, dass um 20:30 Uhr hier im Clubhaus heute Schluß ist, denn im Dorf ist Tanz in den Mai mit Fußball CL Liveübertragung Madrid gegen Dortmund. Dafür haben wir Verständnis !

 


 

01.05.2013 /Maifeiertag

Wetter: sonnig, leichte Bewölkung bis 19 Grad. Schwacher Westwind.

07:08 Uhr Maschine an und los. Der Mittellandkanal wartet auf uns. Schnurrgerade geht’s in westliche Richtung. Ab 11 Uhr wird es deutlich lauter. Horden von Jugendlichen zieht es mit Bollerwagen an den Kanal zum feiern. Grillen, Musik, chillen, tanzen und trinken. Das Ufer sieht aus wie eine Müllhalde. Schade! Warum kann man seinen Scheiß nicht einfach wieder mit nach Hause nehmen? Dafür gibt es eine 6!

An der Wasserschutzpolizeistation Bergeshöfede machen wir um 14:30 Uhr den Crewwechsel und ich fahre mit Gerd alleine weiter. Um 19:45 Uhr machen wir in der Marina Füstrup am Dortmund-Ems-Kanal fest. Tolle Anlage und ein gutes Hafenrestaurant. Wir zahlen inkl. Strom € 15,-. Gerd trifft im Hafen einen ehemaligen Kollegen, der auch auf einer Überführung nach Holland ist. Ab morgen sind wir also ein Konvoi.

 


 

02.05.2013

Wetter: sonnig, leichte bis mässige Bewölkung bis 18 Grad. Westwind.

Nach dem Frühstück schlendern wir um 08:20 Uhr nochmal durch dem Hafen, denn hier liegt die alte WSP 1 auf der Gerd über 20 Jahre gefahren ist. Ziemlich heruntergekommen liegt sie da, der Verkauf an Privat tat dem Schiff offensichtlich nicht gut. So hält uns nichts mehr und wir laufen um 10 Uhr aus mit Kurs Schleuse Münster. Ohne Wartezeit können wir zusammen mit Wolfgang auf seiner „Jive“ einfahren.

Ohne Zwischenfälle sind wir um 16:45 Uhr am „Nassen Dreieck“ in Datteln und machen neben der WSP Station an einem Sportbootsteiger fest. Sonnenuntergang!! Nach einem Anlegebierchen gehe ich mit Gerd was essen. Den restlichen Abend verbringen wir im Cockpit der „Jive“.

 


 

03.05.2013

Wetter: sonnig, wechselnd Bewölkt bis 18 Grad. Mässiger bis frischer Westwind.

Endlich! Das erste technische Problem. Konnte ja auch nicht so weitergehen. Morgens um 07:15 Uhr stehe ich auf und will Kaffeewasser kochen. Gasflasche leer!!! Das geht nun gar nicht. Gerd schnappt sich geistesgegenwertig die Thermoskanne mit Kaffeemehl und geht zur WSP Station. Dankenswerterweise lassen die eine Maschine für uns durchlaufen! Danke! Ihr seit Lebensretter!

Um 09:30 Uhr sind wir an der Schlause Herne-Ost und können mit dem TMS Julius Rütgers durch die Schleuse. Um 11:40 Uhr das gleiche Spiel an der Schlause Wanne-Eickel und um 12:50 Uhr an der Schleuse Gelsenkirchen. Lääuft…

So können wir bereits um 14:30 Uhr in der Marina Centr-O Oberhausen festmachen. Um 17 Uhr kommt Anke mit Gerrit und Ewald zum Crewwechsel. Gerd fährt nach Hause. Anke hat eine neue Gasflasche dabei. Problem gelöst!

Im Centr-O finden wir schnell ein Restaurant nach unserem Geschmack. In der Sonne und im Windschatten genießen wir die Zeit. Lecker! Zurück an Bord gönnen wir uns noch einen „Absacker“.

 


 

04.05.2013

Wetter: sonnig, leichte Bewölkung bis 19 Grad. Frischer bis starker Westwind.

Um 07:05 Uhr starten wir und um 08:40 Uhr geht es nur für uns durch die Schleuse Oberhausen. Und bereits um 09:30 Uhr durch die Schleuse Meiderich, ebenfalls ohne Wartezeit. Das nenne ich mal Glück! So sind wir bereits um 09:55 Uhr auf dem Rhein und fahren mit 18 km/h zu Tal. Läääuft…

Eigentlich war das heutige Tagesziel Wesel, aber da rauschen wir bereits um 12:00 Uhr dran vorbei. Kurz gerechnet und es war klar, wir ziehen durch bis zum Heimathafen Linden (Cuijk). Um 16:10 Uhr fahren wir von der Waal in den Maas-Waal-Kanal. Auch hier keine Wartezeit an der letzten Schleuse, die wir um 16:35 Uhr zusammen mit einem Frachtschiff passieren.

Um 17:50 Uhr machen wir an unserem Steg im Hafen Braskers fest. Wir sind zu Hause!

 


 

Die Fakten:

– 42 Motorstunden
– 12 Schleusen
– 360 km
– Verbrauch 210 Liter Diesel, was 5 Liter pro Stunde bedeutet.
– keine technischen Probleme
Sauber!

Dank an die Crew, die Schleusenmeister und an alle, die uns fest die Daumen gedrückt haben!!!

 

 

 

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